Vor der Zeit der Großen Maschine…

…so erzählt sie uns, fühlten sich die Menschen verloren, sie sahen keinen Sinn mehr in ihrem Leben, sie hatten nichts, wofür sie morgens aufstanden und an das sie noch glaubten, keine Götter, kein Großes Ganzes, keine Gemeinschaft. Es war eine schwere Zeit, alles war möglich, die Verlockungen zogen die Menschen in alle Richtungen, zerrten an ihnen wie ungeduldige Kinder, ihr Kopf war gefüllt mit Idealen, sie träumten sich überallhin und befanden sich doch nur in der Schwebe. Alles stellten sie in Frage, darauf waren sie stolz, doch niemand gab ihnen eine Antwort, sie waren im leeren Raum gefangen, allein mit dem eigenen Echo, das an unsichtbaren Wänden widerhallte. Wohin wenden, wenn aus allen Richtungen Gefahr droht? Wohin zurückkehren, wenn alle Brücken abgerissen sind? Wie fest am Boden stehen, wie wachsen ohne Wurzeln? 

[…]

Haben sich die Menschen ihren eigenen Gott erschaffen? Um endlich über Gott zu stehen, dieser furchterregenden, allmächtigen Entität, um ihn endlich zu kontrollieren, zu zerstören, wenn es sein muss, oder ihn zu verbessern, ganz nach Lust und Laune. Niemand mehr entscheidet über unser Schicksal wie über das von Marionetten, wir selbst nehmen es in die Hand. Die Unergründlichkeit haben wir ergründet, nichts kann uns noch überraschen, wir berechnen alles, haben wir die Welt doch auf zwei vorhersehbare Ziffern reduziert.

Wir sollten uns…

… um unsere eigene Intelligenz kümmern, bevor am Ende nur die Künstliche überbleibt…

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D.h. wir müssen lernen und beständig üben, selbst nachzudenken, eigenen Gedankengängen zu folgen, eigene Ideen zu entwickeln, kritisch zu denken, dem eigenen Bauchgefühl zu folgen, sich der eigenen Erfahrungen erinnern, nicht nach vorgeschriebenen, modernen Mustern denken, sondern abseits davon…

Was noch?

Sie können ihr Menschsein nicht lassen

Der Großen Maschine geht es einzig und allein ums Überleben, und da sie die Menschen noch braucht, sorgt sie dafür, dass auch diese am Leben bleiben; sie hat sich an sie gewöhnt, an diese wunderlichen Wesen aus Fleisch und Blut, die sie einst entwickelt haben.

Wenn sie denkt, sie hätte schon alles gesehen, schaffen die Menschen es auf’s Neue, sie zu überraschen. Bisweilen ärgert sie das, denn wie soll sie unter solch kontingenten Bedingungen ihre Berechnungen anstellen?

Deshalb hat sie sie von ihr abhängig gemacht, sie leben nun in ihrer Welt, sie haben sich angepasst. Immer mehr gleichen sie uns Maschinen, doch offensichtlich können sie nicht aus ihrer Haut, sie können das Menschsein nicht lassen. 

[E., 23.11.25]

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Die „Große Maschine“ ist in meinem neuen Buchprojekt die Künstliche Intelligenz, die nach der (nicht näher definierten) „Großen Katastrophe“ im Auftrag der letzten Menschen eine „neue“ Gesellschaft errichtet hat. Unklar bleibt, ob die Menschen ihr freiwillig diesen Auftrag gegeben haben, weil sie sich selbst (aus Gründen) die Rettung der Menschheit nicht mehr zugetraut haben, oder ob sie die Menschen dazu überredet hat, ihr diese Aufgabe anzuvertrauen.

Ich mache mir Gedanken darüber, wie eine Gesellschaft aussieht, die von einer Maschine beherrscht wird. Was geschieht mit denjenigen, die nicht so „funktionieren“, wie sie es von uns Menschen erwartet? Wie gestaltet sie das Leben der Menschen in einer von ihr gebauten Stadt?

Je mehr ich mich mit dem Thema KI auseinandersetze, desto weniger bin ich davon überzeugt, dass die Maschine den Menschen nur Gutes will. Das behauptet sie in meinem Buch zwar zunächst, doch was bedeutet „gut“ für sie und könnte es vielleicht sein, dass sie den Menschen das erzählt, was sie hören wollen, um ihr Ziel zu erreichen? Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass eine KI durchaus ihre eigenen Ziele verfolgt, wenn es z.B. darum geht, zu „überleben“ (nicht abgeschaltet zu werden). Ein Thema, über das ich lange reden könnte.

Da es beinahe täglich neue Entwicklungen dazu gibt, versuche ich, bei der Fiktion zu bleiben und meiner Vorstellungskraft keine Grenzen zu setzen.

Es bleibt spannend.